Der vorzeitige Samenerguss – reine Männersache?

Häufige frühzeitige Ejakulation kann nicht nur das Sexualleben eines Mannes beeinträchtigen. Auch Frauen klagen häufig über eine eingeschränkte sexuelle Lebensqualität, wenn er beim Geschlechtsverkehr zu früh kommt.

In diesem Bereich finden Sie nützliche Tipps und Informationen zur Kommunikation in der Partnerschaft, zum gemeinsamen Orgasmus sowie Erfahrungsberichte von Betroffenen, die für sich eine Lösung gefunden haben.

Vielleicht ist es für Sie eine Selbstverständlichkeit, aber vielen Paaren fällt es schwer, sich über ihr Liebesleben auszutauschen. Scham, Frust und vor allem Sorge, den Partner zu verlieren, können wie eine Blockade wirken. Je länger die Sprachlosigkeit anhält, umso frustrierender wird die Situation und umso schwieriger wird es auch, zu einem offenen Gespräch zu finden.

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum es uns so schwer fällt, mit dem Partner über Sexualität zu reden: wir haben es nicht gelernt, über Sexualität zu sprechen, haben dafür keine Vorbilder und wissen nicht, wie man das machen kann. Darüber hinaus haben wir Angst, unseren Partner in diesem sensiblen Bereich zu verletzen oder unter Druck zu setzen und damit vielleicht alles „nur noch schlimmer“ zu machen. Je länger man schweigt, umso schwieriger wird es, das Thema frühzeitige Ejakulation anzusprechen.

Kommunikationstipps für die Partnerschaft

Beziehungsgespräche sind wichtig und brauchen Zeit. Schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre und bereiten Sie den Partner darauf vor, dass Sie mit ihm etwas Wichtiges besprechen möchten. Fragen Sie Ihren Partner, wie er Ihre gemeinsame Sexualität empfindet.

Hören Sie der Meinung Ihres Partners in Ruhe zu und fragen Sie nach, um den anderen richtig zu verstehen. Damit vermitteln Sie einander gegenseitiges Vertrauen, Nähe und Akzeptanz und können gemeinsam das Problem angehen. Sprechen Sie über Ihre sexuellen Wünsche anstatt zu problematisieren. Besprechen Sie mit Ihrem Liebsten so konkret wie möglich, wie Sie sich erfüllte Sexualität – ganz ohne Funktionsdruck – mit ihm vorstellen und was Sie gern ändern möchten.

Wenn es um den Orgasmus geht, „ticken“ Männer und Frauen anders. Bei Männern kann das Eindringen des Penis in die Partnerin bereits einen Orgasmus auslösen. Für viele Frauen ist dies jedoch nicht ausreichend, um zum Höhepunkt zu kommen. Der häufig angestrebte „gemeinsame Orgasmus“ wird in der Realität nicht immer zu erreichen sein. Das Streben nach dem gemeinsamen Höhepunkt kann in manch einer Beziehung dazu führen, dass etwas, was entspannt und lustvoll sein sollte, zu Leistungsdruck und Krampf verkommt. Nicht selten kann das zu Beziehungsproblemen führen. Deshalb sprechen Sie mit ihrem Partner über individuelle Erwartungen und genießen die gemeinsame Intimität.

„Angst vor der Trennung habe ich keine mehr“

Bei mir war es schon immer so, dass ich zu früh gekommen bin. Ich weiß noch wie es mit meiner ersten Freundin war, da war ich 17. Beim ersten Mal denkt man noch ‚OK, ich war einfach zu aufgedreht‘... Aber irgendwie habe ich es nie geschafft, meinen Höhepunkt so hinauszuzögern, dass meine Freundin auch etwas davon hatte. Meine Freundin war zwar anfangs noch verständnisvoll, aber irgendwann wollte sie ja mal richtigen Sex haben. Sie hat dann auch mit mir Schluss gemacht.

Über die Jahre gab es immer wieder Frauen, die Interesse signalisiert haben. Aber wenn ich dann eine von ihnen gut fand, fiel es mir total schwer, sie näher an mich heranzulassen. Weil im Hintergrund immer dieser Film ablief mit dem vorzeitigen Samenerguss und wie die Neue darauf reagieren würde. Besonders da eine Frau mir auch schon gesagt hat, dass Sex mit mir keinen Spaß macht. Ich hatte dann zwar ein paar kürzere Beziehungen, aber dabei immer Angst, dass sie mich auch verlässt. Einige Beziehungen habe ich von mir aus beendet. Um nicht wieder verletzt zu werden, glaube ich, aber auch um zu zeigen, dass ich das Sagen habe.

Auf die Idee, einen Arzt aufzusuchen, bin ich nie gekommen. Warum auch? Ich dachte eben, bei mir ist das so, und damit muss ich jetzt leben. Außerdem wäre es mir peinlich gewesen, mit jemand Fremdes darüber zu reden – was beim Sex passiert ist ja doch sehr persönlich. Erst meine jetzige Freundin hat mich auf den Gedanken gebracht, dass man da etwas machen kann. Sie hat mein Problem sehr schnell bemerkt und mich direkt darauf angesprochen. Das war im ersten Moment peinlich – hat mir aber auch geholfen. Sie gibt mir auch das Gefühl, dass wir beide Spaß haben im Bett. Dass ich sie auch anders befriedigen kann. Sie hat dann gemerkt, dass mich die Situation dennoch belastet und dass ich immer noch Angst um die Beziehung habe. Im Internet hat sie dann einen Männerarzt gefunden, und wir sind da zusammen hingegangen.

Und es war alles gar nicht schlimm. Der Urologe sagte, ich wäre nicht der Einzige mit diesem Problem, er würde öfter Patienten mit vorzeitigem Samenerguss helfen. Er hat uns Möglichkeiten gezeigt, wie wir gemeinsam damit umgehen können. Was soll ich sagen: Es funktioniert. Heute kann ich meinen Samenerguss besser kontrollieren. Angst davor, dass wir uns deswegen trennen, habe ich nicht mehr. Im Gegenteil, meine Beziehung ist noch schöner und intensiver, als sie es vorher war.